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Dienstag, 9. Juni 2020

Außenhandel: Ukraine im April mit Leistungsbilanzüberschuss Privatisierung und Ausschreibungen: China liefert Züge für Metro in Kharkiv; Bila Tserkva Industrial Park
James Brooke
by James Brooke
UBN Morning News is reported and written by James Brooke, a former New York Times foreign correspondent and Bloomberg Moscow Bureau Chief
  • Außenhandel: Ukraine im April mit Leistungsbilanzüberschuss
  • Privatisierung und Ausschreibungen: China liefert Züge für Metro in Kharkiv; Bila Tserkva Industrial Park
  • Volks- und Finanzwirtschaft: Wirtschaft schrumpft; IWF-Vereinbarung; Leitzinssenkung?; EU-Makrofinanzhilfe in Höhe von 500 Mio. Euro; Grünes Licht für Weltbank-Darlehen in Höhe von 350 Mio. Dollar; Eurobond zurückgezahlt; Lohnüberweisungen im April stark gesunken
  • Infrastruktur: 300 Mio. Euro von EIB zur Sanierung von 1.000 öffentlichen Gebäuden
  • Logistik, Transport und Tourismus: Wiederaufnahme Flug-, Bahn- und Busverkehr; Heißwetter-Sommerfahrverbot für Lastkraftwagen; Pivdenniy verzeichnete im Mai Rekordumschlag
  • Automobilmarkt: Autoimporte fielen im ersten Quartal um 46%
  • Stahlindustrie: Stahlproduktion um 11% zurückgegangen
  • Energie und Erneuerbare Energien: Ausländische Gasspeicherung in der Ukraine verdreifacht; Gasschwemme – Preise unter Null? – Gazprom mit geringerem Gastransit durch die Ukraine; Polen könnte Gaslieferungen an Ukraine 2020 um Fünffache erhöhen; Solar- und Windenergie-Investoren kontaktieren IWF; Fortschritte bei Centroenergo
  • Landwirtschaft: Regenfälle im Mai stimmen positiv, aber nicht aureichend; Ukraine Nr. 3 bei Lebensmittelimport in die EU; Maisernte plus 6%; Getreideexport plus 16%; Sojabohnenernte plus 14%; Bauerngruppen protestieren gegen einen Vorstoß des Wirtschaftsministeriums
  • Bauwirtschaft: Bauaktivitäten im April um 16% gesunken
  • Gastronomie: McDonald’s hält an Expansionskurs fest
  • Arbeitsmarkt: Bürokratie hält Wanderarbeitnehmer von der Arbeit ab – Arbeitnehmerstrom Richtung EU verstärkt sich
  • On the Move: Ehemalige Finanzministerin Oksana Markarova kehrt in Wirtschaft zurück; Bilak von UkraineInvest zu Kinstellar; Teluk neuer Partner bei Sayenko Kharenko

Außenhandel:

Starke Nahrungsmittelexporte und fallende Öl- und Gasimportpreise haben der Ukraine im April einen Leistungsbilanzüberschuss verschafft, berichtet die ukrainische Nationalbank. Der Überschuss von 1,4 Mrd. Dollar war ein Wechsel von einem Defizit von 292 Mio. Dollar im März. In den ersten vier Monaten dieses Jahres belief sich der Leistungsbilanzüberschuss auf 1,8 Mrd. Dollar, verglichen mit einem Defizit von 242 Mio. Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Alfa-Bank Ukraine berichtet, dass die Gaspreise seit Anfang dieses Jahres um 71% und die Ölpreise um 43% gesunken sind.

Hat die ukrainische Wirtschaft im April den Tiefpunkt des Coronavirus-Lockdowns erreicht? Diese Erkenntnisse haben die Analysten von ICU aus neuen Daten der ukrainischen Nationalbank gewonnen. Alle Zahlen beziehen sich auf den April im Vergleich zum Vorjahr:

Rückgang der Exporte: Eisenmetalle – 18%; Luftfahrt 61%; Einreiseverkehr 96%.

Exporte gestiegen: Nahrungsmittel – 6,6%; mineralische Produkte (hauptsächlich Eisenerz) – 12,1%; IT-Dienstleistungen – 19,9%

Rückläufige Importe: Maschinen (hauptsächlich Autos) 29%; und Ausreiseverkehr 72%.

Bei Waren ist das Außenhandelsdefizit in den ersten vier Monaten des Jahres um die Hälfte zurückgegangen, von 3,3 Mrd. Dollar im letzten Jahr auf 1,5 Mrd. Dollar in diesem Jahr. Bei den Dienstleistungen hat sich der Überschuss mehr als verdoppelt – von 626 Mio. Dollar im letzten Jahr auf 1,4 Mrd. Dollar in diesem Jahr.

Privatisierung und Ausschreibungen:

Die chinesische CRRC Tangshan Co. hat einen Auftrag zur Herstellung von acht Zügen mit fünf Waggons für das expandierende U-Bahn-System von Kharkiv erhalten, berichtet Xinhua. Das Unternehmen hat bereits Züge nach Kasachstan, in die Mongolei und nach Turkmenistan exportiert. Ein weiterer Zweig der China Railway Construction Corporation, CRRC Zhuzhou Locomotive Co, wird sich voraussichtlich noch in diesem Jahr an einer Ausschreibung für die Lieferung von Elektrolokomotiven an Ukzalysnytsia beteiligen. Die BKG1-Elektrolokomotiven des Unternehmens werden seit 2012 bei der belarussischen Eisenbahn eingesetzt.

Die UFuture Holding richtet sich an ausländische Unternehmen, die eine Diversifizierung der Lieferketten aus China anstreben, und startet ein auf sechs Jahre angelegtes Projekt, um 30 Unternehmen und Investitionen in Höhe von 250 Mio. US-Dollar im Bila Tserkva Industrial Park, 50 Autominuten südlich der Kiewer Ringstraße, anzusiedeln.  Im vergangenen Monat wurde das Management des Industrieparks Bila Tserkva 1 und Bila Tserkva 2 ernannt. In den Parks, die insgesamt 70 Hektar umfassen, sind bereits sechs Unternehmen tätig. Da die Parks voraussichtlich 4.000 Arbeitsplätze schaffen werden, plant die Verwaltungsgesellschaft, mit den örtlichen Schulen zusammenzuarbeiten, um die Qualifikationen zu verbessern, so Andriy Ropitsky, Leiter der Wirtschaftsförderung.

Volks- und Finanzwirtschaft:

Die Wirtschaft der Ukraine schrumpfte von Januar bis April wahrscheinlich um 5% im Vergleich zu den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres, schätzt das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Handel. Der neue Staatshaushalt, der zu Beginn der Abriegelung revidiert wurde, basiert auf einer Schrumpfung von 3,9% für 2020. Premierminister Shmygal stellte in der Rada einen Plan vor, der eine V-förmige Erholung in der zweiten Hälfte dieses Jahres anregen soll.

Einzelheiten der Vereinbarung der Ukraine mit dem IWF werden vor der heutigen IWF-Exekutivratssitzung noch erörtert. Gerry Rice, Sprecher des IWF, sagte in Washington: „Die Standby-Vereinbarung ist Gegenstand von Diskussionen und sollte vom Exekutivrat genehmigt werden“.

Bei einer starken Währung und niedriger Inflation wird die ukrainische Zentralbank die Zinssätze voraussichtlich wieder senken, so Bloomberg. Trotz sieben aufeinanderfolgender Senkungen ist die ukrainische Leitzinsenrate von 8% viermal so hoch wie die jährliche Inflationsrate von 2%. Die nächste Sitzung des Bankrats findet am 11. Juni statt. Im Gegensatz zu den Finanzkrisen von 2008 und 2014 blieb der Hryvnia während der Covid-19-Krise relativ stark. Der heutige Wechselkurs liegt auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr und 9% unter dem Höchststand vom 28. Februar.

Da die Zustimmung des IWF zum 5-Mrd.-Dollar-Geschäft für heute erwartet wird, wird zugleich erwartet, dass die Nationalbank der Ukraine am Donnerstag den Leitzinssatz des Landes senkt. Von 15 ukrainischen Analysten, die von Reuters befragt wurden, erwarten sechs eine Senkung des Zinssatzes von 8% auf 7,0%, fünf rechnen mit 7,5% und vier mit 6,5%. Oleksiy Blinov von der Alfa-Bank Ukraine prognostiziert eine Senkung auf 6,5% und verweist auf „die günstige Situation auf dem Devisenmarkt und die Notwendigkeit, die wirtschaftliche Erholung nach der Aufhebung der Quarantänebeschränkungen zu fördern“. Die Konsensus-Prognose für die Inflation im Mai liegt bei 1,9% im Jahresvergleich, gegenüber 2,1% im April.

Die Europäische Union genehmigte die Auszahlung einer Makrofinanzhilfe in Höhe von 500 Mio. Euro an die Ukraine. Die EU sagt, sie habe der Ukraine nun seit 2014 Darlehen im Wert von 3,8 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt.

„Die Ukraine steht weiterhin ganz oben auf der europäischen Agenda“, sagte Valdis Dombrovskis, ein lettischer Politiker und EU-Kommissar für Finanzstabilität. „Wir setzen unsere politische, finanzielle und technische Unterstützung fort, insbesondere in dieser Zeit der Krise, um die Reformagenda der Ukraine zum Aufbau einer widerstandsfähigeren Wirtschaft zu unterstützen.“ Er merkte an, dass die EU im Rahmen ihrer Politik zur Unterstützung ihrer 10 östlichen Nachbarn während der Covid-19-Wirtschaftskrise weitere 1,2 Mrd. Euro an Finanzhilfe zur Verfügung stellt.

Im Vertrauen darauf, die Gelder des IWF zu erhalten, hat das Ministerkabinett dem Finanzministerium grünes Licht für ein Weltbank-Darlehen in Höhe von 350 Mio. Dollar gegeben.

Alexander Paraschiy von Concorde Capital sieht die multilaterale Hilfe als ersten Schritt, damit die Ukraine in diesem Sommer auf den Eurobondmarkt zurückkehren kann: „Das wird der Ukraine auch den Weg ebnen, um auf den internationalen Märkten zusätzliche Finanzmittel für den Staatshaushalt anzuziehen“.

Die Ukraine hat am Donnerstag einen Eurobond über 1 Mrd. Dollar zurückgezahlt. Die mit US-Garantien begebene 5-jährige Anleihe hatte einen Jahreszins von 1,847%, berichtet das Finanzministerium. Premierminister Shmygal erklärt gegenüber Reuters, dass die Rückzahlung „zeigt, dass wir in der Lage sind, die externen und internen Schulden absolut ruhig zu bedienen“. Er sagte, die Ukraine habe die Anleihe zurückgezahlt, ohne auf ihre Zentralbankreserven in Höhe von 26,2 Mrd. Dollar zurückzugreifen. Während die Ukraine weiterhin auf dem heimischen Markt Kredite aufnimmt, sagte er: „Heute, in der gegenwärtigen Situation, besteht keine dringende Notwendigkeit, auf ausländische Märkte zu gehen und dort Kredite aufzunehmen, erstens, weil die Situation ungünstig ist.“

Die staatliche Ukrgasbank führt in Kharkiv ein Hypothekenprogramm für Privatimmobilien ein und bietet Kredite zu 8,8% pro Jahr an. Da der Haushalt der Stadt Kharkiv den Großteil dieser Zinsen deckt, wird der reale Jahreszins für Kreditnehmer 0,8% betragen. Diese subventionierten Darlehen sind nur für den Kauf von Wohnungen von einem lokalen Bauträger, Trest Zhilstroy-1, erhältlich.

Präsident Zelenskiy‘s zukünftige „Investitions-Nannies“ werden in einem Bloomberg-Artikel vorgestellt, der sie als „einen engagierten lokalen Aufpasser, der sich in der oft haarsträubenden Bürokratie der ehemaligen Sowjetrepublik zurechtfindet“ beschreibt. Der Artikel stellt fest, dass die Ukraine im vergangenen Jahr nur 2,4 Mrd. Dollar an ausländischen Direktinvestitionen angezogen hat: „Zelenskiy will in den nächsten 18 Monaten 7 Mrd. Dollar aus dem Ausland anziehen, indem er Steuererleichterungen für Tausende neuer Arbeitsplätze in Fabriken und Logistikzentren einführt“. Nach einem Interview mit Olga Magaletska, der Direktorin des „Nanny“-Projekts, kommen die Bloomberg-Reporter zu dem Schluss: „Mit einer starken Landwirtschafts-, Metall- und Maschinenbauindustrie kann die Ukraine ein Ort für multinationale Unternehmen sein, in dem sie ihre Produktion für Lebensmittelverarbeitung, Ersatzteile und Fertigwaren ausbauen können.“

Das Finanzministerium verkaufte letzten Dienstag Hryvnia-Staatsanleihen im Wert von 110 Mio. Dollar, dreimal so viel wie bei der Auktion eine Woche zuvor. Die Renditen fielen für alle vier Anleihen, aber die Renditen für 3-Monats- und 6-Monats-Anleihen fielen auf „Vor-Quarantäne-Niveau“, berichtet das Ministerium auf Facebook. Nach den veröffentlichten Ergebnissen waren die Endrenditen: 3-Monats-Anleihe: 9,84%; 6-Monats-Anleihe: 10,11%; 9-Monats-Anleihe: 10,89%; und 1-Jahres-Anleihe: 10,86%.

Die Lohnüberweisungen von Arbeitnehmern aus dem Ausland – der zweitgrößte Export der Ukraine – gingen im April um 16,5% auf 794 Mio. US-Dollar zurück. Von Januar bis April stiegen sie jedoch um 1,6% auf 3,7 Mrd. Dollar. Das offizielle Niveau des letzten Jahres betrug 12 Mrd. Dollar.

ICU betrachtet den überraschenden Leistungsbilanzüberschuss von 1,4 Mrd. Dollar im April und kommt zu dem Schluss: „Günstige Handelsbedingungen, eine relative Widerstandsfähigkeit der Exporte und Überweisungen, ein starker Rückgang der Importe und Dividendenzahlungen sorgten für eine deutliche Verbesserung der Leistungsbilanz“.

Ab heute werden 10 Hryvnia-Münzen in Umlauf gebracht. Diese aus einer galvanisch vernickelten Zinklegierung hergestellte silberfarbene Münze wird nach und nach die roten 10 Hryvnia-Scheine ersetzen, berichtet die Nationalbank der Ukraine. Im Rahmen eines Programms zur schrittweisen Abschaffung der kleinen Banknoten gibt es jetzt 1,2,5 und 10 Hryvnia-Münzen. Zehn Hryvnia sind 33 Eurocent wert.

Infrastruktur:

Eine erste Vereinbarung über ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank in Höhe von 300 Mio. Euro zur Sanierung von 1.000 öffentlichen Gebäuden aus der Sowjet-Ära in der Ukraine wurde von Vertretern der Bank und des Ministeriums für kommunale und territoriale Entwicklung unterzeichnet. Das zinsgünstige, langfristige Darlehen kommt 2,5 Mio. Menschen oder 7 % der Bevölkerung der Ukraine zugute und dient der Finanzierung moderner Heizsysteme, Thermostate und Isolierungen in Kindergärten, Krankenhäusern und Schulen.

Seit 2014 wurden Hunderte von Mio. Dollar in die Hafenlogistik der Ukraine investiert, wodurch die Kapazität moderner Silos auf 90 Mio. Tonnen verdreifacht wurde, sagt Rainer Staltner, Vertreter des Chamber of Commerce and Industry of Ukraine in Österreich. Angesichts des derzeitigen Exportvolumens von fast 60 Mio. Tonnen bestehe kein dringender Bedarf an weiteren Investitionen in Silos, sagte er in einem Webinar über Lebensmittelexporte, berichtet Ukrinform.

Logistik, Transport und Tourismus:

Am 6. und 7. Juli nahm Ryanair die Flüge zwischen der Ukraine und Italien, einem wichtigen Ziel für ukrainische Altenpfleger, wieder auf. Die Flüge von Kiew Boryspil, Kharkiv, Lviv und Odessa gehen nach Bologna, Catania (Sizilien), Mailand Bergamo und Rom Fiumincino.

Turkish Airlines nimmt am 15. Juni die Flüge zwischen Istanbul und Kiew Boryspil wieder auf. Am 24. Juni nimmt SkyUp Flüge von Borsypil nach Tirana, Albanien und in vier italienische Städte wieder auf: Bologna, Mailand Bergamo, Rom Fiumincino und Lamezia Terme. Die Inlandsflüge begannen am Freitag von Boryspil aus, wobei die UIA nach Odessa und Windrose nach Dnipro flog.

Von Kiew Sikorsky planen, Belavia, LOT, WizzAir und Motor Sich, die internationalen Flüge am 16. Juni wieder aufzunehmen. Da während des dreimonatigen Lockdowns praktisch keine Einnahmen erzielt wurden, nahmen die Flughafenmanager ein Video auf, das an die Führung der Nation gerichtet war und in dem sie die Festlegung einheitlicher Landegebühren für die gesamte Nation forderten. In Anspielung auf ihren Rivalen Boryspil argumentieren die Sikorsky-Manager, dass ein großer Flughafen kleinere Flughäfen verarmen lassen kann, indem er die Landegebühren künstlich – und vorübergehend – senkt.

Windrose Airlines baut den Inlandsflugverkehr aus und nimmt am 15. Juni tägliche Flüge von Kiew Boryspil nach Dnipro, Kharkiv, Lviv und Odessa auf. Kiew-Mykolaiv beginnt am 15. Juli. Im Juli werden mehrere Strecken dreimal täglich beflogen. Die Preise konkurrieren mit denen der Intercity-Zugfahrkarten, der Mindestpreis für eine einfache Strecke wird 30-35 US-Dollar betragen.

SkyUp verkauft ab 23. Juni Tickets für Flüge in diese Länder: Albanien, Armenien, Bulgarien, Tschechische Republik, Frankreich, Israel, Italien, Portugal und Spanien. Ab dem 30. Juni bietet die Billigfluggesellschaft Flüge nach Zypern, Georgien und Griechenland an. Die Fluggesellschaft verkauft Tickets basierend auf den Plänen der Länder zur Aufnahme von Ausländern. Ab dem 15. Juni wird Griechenland nach eigenen Angaben Ausländer aus 29 Ländern aufnehmen.

Da sich die Fluggesellschaften in einer Krise befinden, fordert SkyUp die Rada auf, ein Gesetz zu verabschieden, das den Inlandsflugverkehr von der Mehrwertsteuer ausschließt, ein Privileg, das der internationale Flugverkehr genießt. Vor sechs Monaten empfahl der Parlamentsausschuss für Verkehr und Infrastruktur die Verabschiedung des Gesetzes. Da das internationale Streckennetz stark reduziert ist, kann SkyUp es sich nach eigener Aussage nicht mehr leisten, niedrige Preise für inländische Zubringerflüge anzubieten.

Wizz Air, historisch gesehen die Billigfluggesellschaft mit den meisten Flügen in die Ukraine, kauft neue Jets, fügt neue Ziele hinzu und eröffnet diesen Sommer vier neue Drehkreuze, darunter in Lviv, berichtet Reuters aus London. Wizz Air nimmt am 16. Juni Flüge aus der Ukraine auf. Die in Mitteleuropa stark vertretene Fluggesellschaft mit Sitz in Budapest nimmt am 1. Juli eine Strecke Kiew Sikorsky – Salzburg, Österreich, in Betrieb.

Der Flughafen Boryspil hat ein Darlehen der Alfa Bank in Höhe von 10 Mrd. Dollar aufgenommen. In den Jahren 2018 und 2019 gehörte Boryspil zu den 10 am schnellsten wachsenden Flughäfen in Europa. Nachdem die Regierung Mitte März den Linienflugverkehr in die Ukraine eingestellt hatte, sanken die Einnahmen des Flughafens um 90%.

Das Ministerkabinett bereitet die Aufhebung des Einreiseverbots für ausländische Bürger in die Ukraine vor, schreibt Infrastrukturminister Vladyslav Krikliy in seinem Blog:  „Die Welt erholt sich allmählich von der Pandemie und die Flugzeuge kehren wieder in den Himmel zurück“. Das Infrastrukturministerium und die Fluggesellschaften der Ukraine, sagte er, „erwägen die Möglichkeit der Wiederherstellung von Flügen mit Finnland, Schweden, Dänemark, den USA, Kanada, Litauen, Lettland, Indien, China, Aserbaidschan, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Moldawien, Polen, Österreich, Italien, Portugal, Albanien, der Slowakei, Kasachstan, Armenien, Ungarn, Ägypten, Tunesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten“.

Die Türkei wird am 1. Juli ihre Grenzen für ausländische Touristen, darunter auch Ukrainer, öffnen, berichtet das ukrainische Außenministerium. Die Überquerung des Schwarzen Meeres wird wieder aufgenommen, und Ukrainer können im Rahmen des bestehenden visum- und passfreien Systems in die Türkei einreisen.

Ukrzaliznytsia nahm gestern den Intercity-Zugverkehr wieder auf und beendete damit eine 10-wöchige Suspendierung zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. Um eine Ansteckung zu verhindern, trugen die Fahrgäste Masken, und nur die Hälfte der Sitze wurde verkauft.

Interregionale Busse und 439 elektrische Nahverkehrszüge nahmen gestern in 10 der 24 Regionen der Ukraine, vor allem im Osten und Süden, ihren Betrieb wieder auf. Es handelt sich um die Regionen Cherkassy, Donezk, Iwano-Frankivsk, Kharkiv, Luhansk, Odessa, Poltava, Ternopil, Chytomyr und einen Teil von Chmelnizkiy.

Gestern begann in der Ukraine das jährliche Heißwetter-Sommerfahrverbot für Lastkraftwagen. Aus Furcht, den weichen Asphalt zu beschädigen, werden Lastwagen von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr abends verboten, wenn die Lufttemperatur über 28 Grad Celsius (82 Grad Fahrenheit) steigt. Im ganzen Land sind 982 Parkplätze für Lastwagenfahrer reserviert. Um das Problem der überladenen Getreidelastwagen zu bekämpfen, installiert die Regierung Sensoren mit Kameras, die das Gewicht in der Bewegung messen, um Verstöße aufzudecken.

Pivdenniy, der verkehrsreichste Hafen der Ukraine, verzeichnete im Mai einen Rekordumschlag von 2,1 Mio. Tonnen, den höchsten Wert seit der Eröffnung des Hafens 1978. Früher Yuzhne genannt, löschte der Hafen auch 959 Gondelwagen pro Tag, ein neuer Rekord beim Umschlag der dachlosen Eisenbahnwagen, die für den Transport von Kohle oder Erz eingesetzt wurden.

Automobilmarkt:

Die Autoimporte fielen im ersten Quartal im Jahresvergleich um 46% auf 115.800 Fahrzeuge mit einem Gesamtwert von 823 Mio. US-Dollar, so der Verband der Automobilindustrie Ukravtoprom. Gemessen am Wert entsprachen die Neuwagenimporte fast den Gebrauchtwagenimporten. Von Januar bis März wurden 21.800 Neuwagen für 404 Mio. Dollar importiert. In der gleichen Zeit wurden 94.000 Gebrauchtwagen für 419 Mio. Dollar importiert. Die größten Quellen für Neuwagen waren: Japan – 4.574; Rumänien – 3.849; und China – 3.335. Die größten Quellen für Gebrauchtwagen waren: Japan – 4.574; Rumänien – 3.849; China – 3.335; Deutschland – 26.425; USA – 15.723 und Frankreich – 10.177 Einheiten. Im vergangenen Jahr importierte die Ukraine 544.000 Autos im Wert von 3,6 Mrd. Dollar.

Stahlindustrie:

Die Stahlproduktion der Ukraine ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Zeitraum Januar-Mai des vergangenen Jahres um 11% zurückgegangen. Nach Angaben des Stahlherstellerverbandes Ukrmetalurgprom waren die Rückgänge: Roheisen – 10%; Stahl – 11% und Walzmetall – 18%. Letztes Jahr waren diese drei Kategorien zusammengenommen gegenüber 2018 um etwa 2% rückläufig.

Energie und Erneuerbare Energien:

Laut Ukrtransgaz, der Pipeline-Einheit von Naftogaz, haben ausländische Händler ihre Erdgasmengen, die in den westukrainischen ‚Zolllager‘-Speichern gelagert werden, gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Ausländische Händler, die sich mit dem zwei Jahre alten Niedrigzollsystem zunehmend anfreunden, haben nun etwa ein Drittel ihrer 2 Mrd. Kubikmeter im „short haul transportation„-System.

„Wir sind zuversichtlich, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen wird“, sagt Serhiy Oleksienko, Generaldirektor von Ukrtrangaz. „Der Füllungsgrad der europäischen Gasspeicher nähert sich rasch dem Maximum… in Österreich beträgt er heute fast 85%, in Deutschland – 84%, in Italien – 68%. In der Ukraine liegt dieser Wert bei 58%.“

Angesichts der sich in Europa ausbreitenden Gasschwemme sei Naftogaz gut positioniert, um Rekordeinnahmen für die Lagerung von EU-Gas in den westlichen Lagerstätten der Ukraine zu erzielen, sagt Yuriy Vitrenko, die scheidende Nummer zwei des staatlichen Unternehmens. Die Reservoirs, die jetzt unter ein zollfreies „Warenlager„-Regime fallen, können 31 Mrd. Kubikmeter fassen. Wenn die Ukraine ihre eigenen Vorräte von heute 18 Mrd. Kubikmeter auf 21 Mrd. Kubikmeter, den Stand vor dem Winter des vergangenen Jahres, erhöht, wären  10 Mrd. Kubikmeter für europäische Händler zur Anmietung verfügbar.

Natural Gas May Be the Next Commodity to Trade Below Zero, titelt eine Geschichte über die weltweite Gasschwemme – ein Überangebot, das durch zwei milde Winter, die Coronavirus-Rezession und eine hohe Produktion verursacht wurde. „Anders als auf dem Ölmarkt gibt es keine Anzeichen für eine koordinierte Reaktion zur Bekämpfung der Schwemme, was bedeutet, dass die Auswirkungen tiefer und länger sein könnten“, schreibt Bloomberg und verweist auf den Produktionskontrollpakt zwischen Russland und der OPEC, der das Öl wieder auf 40 Dollar pro Barrel gebracht hat. Bloomberg stellt fest, dass die Lagerkapazitäten in der EU mit 73% der Kapazität deutlich über dem 5-Jahres-Durchschnitt von 45% liegen. Bloomberg warnt: „Der Schlüsselfaktor ist die fehlende Lagerung, um das Überangebot aufzufangen. Händler und Analysten weisen auf Europa als den ersten Markt hin, der wahrscheinlich diesen Krisenpunkt [negative Preise] erreichen wird“.

Der russische Gastransit durch die Ukraine fiel von Januar bis Mai im Jahresvergleich um 46% auf 20 Mrd. Kubikmeter, so der staatliche Gastransitbetreiber der Ukraine. Bei diesem Tempo könnte Russland in diesem Jahr 52-55 Mrd. Kubikmeter durch die Ukraine schicken, etwa 40% weniger als im letzten Jahr und 15-20% weniger als die vertraglich vereinbarte Menge. In dem am 30. Dezember unterzeichneten Vertrag verpflichtet sich Russland, in diesem Jahr für den Versand von 65 Mrd. Kubikmetern zu zahlen, unabhängig davon, ob es das Gas verschickt oder nicht. Russland zahlt pünktlich, berichtet der ukrainische Netzbetreiber.

Wenn sie den Vertrag verletzen, öffnet es die Büchse der Pandora„, sagt Yuriy Vitrenko, der den neuen Vertrag ausgehandelt hat, gegenüber der UBN. „Es mag ihnen nicht gefallen, aber sie können nur weggehen, wenn sie eine rechtliche Rechtfertigung haben.“ Im Rahmen des Fünfjahresvertrags verpflichtet sich Gazprom, von 2021 bis 2024 jährlich 40 Mrd. Kubikmeter zu transportieren.

Unter Ausnutzung der historisch niedrigen Gaspreise hat Naftogaz seine gespeicherten Gasreserven seit Mitte März um 13% auf heute 18 Mrd. Kubikmeter erhöht. Die niedrigen Preise werden in diesem Monat mit einer Preissenkung von 19-21% an die industriellen Nutzer weitergegeben, verspricht Naftogaz. Im vergangenen Monat hat das staatliche Energieunternehmen die Gaspreise für die Verbraucher um 21% auf 85 Dollar pro 1.000 Kubikmeter gesenkt.

Polen könnte die Gaslieferungen an die Ukraine in diesem Jahr um das Fünffache erhöhen, so Jerzy Kwieciński, CEO von PGNiG, Polens staatlichem Energieunternehmen, gegenüber dem polnischen Radio 24. Im ersten Quartal verkaufte PGNiG 690 Mio. Kubikmeter Gas an die Ukraine. Wenn die Raten beibehalten werden, könnte Polen 2,7 Mrd. Kubikmeter an die Ukraine liefern – das Fünffache der 554 Mio. Kubikmeter des letzten Jahres. Da sich die Lagerstätten schnell füllen, ist nicht klar, ob die Ukraine so viel Gas kaufen will. Zu Beginn der Heizperiode des vergangenen Winters hatte die Ukraine 21,8 Mrd. Kubikmeter in den Speichern, ein Rekordhoch für dieses Jahrzehnt.

Solar- und Windenergieunternehmen haben an den IWF geschrieben, dass der Plan der Regierung, die Energietarife zu senken, die Zusammenarbeit des Landes mit dem IWF erschwert und künftige ausländische Investoren abschreckt. Angesichts der steigenden Stromrechnungen hat die Regierung die Betreiber erneuerbarer Energien aufgefordert, „freiwillig“ Tarifsenkungen von 10-20% zu akzeptieren. Die Investoren schrieben: „Wir sind besorgt, dass die Regierung der Ukraine kurz davor sein könnte, über die vermittelte Lösung hinauszugehen und zu versuchen, strafende, rückwirkende einseitige Änderungen der Verträge im Sektor der erneuerbaren Energien durchzusetzen“. Die Gespräche haben sich neun Monate hingezogen.

Bombendrohungen, Stacheldraht, Ziegelsteinmauern und seltsamen Gerichtsurteilen trotzend, betraten Mitarbeiter des State Property Fund, unterstützt von Busladungen von Spezialpolizeikräften, am Freitag das improvisierte Hauptquartier von Centrenergo und setzten die neue, von der Regierung ernannte Führung ein. Centrenergo, das etwa 15% der ukrainischen Strom- und Wärmeenergie produziert, hat dem Staat seit 2004 möglicherweise 3,7 Mrd. Dollar gekostet, zum Teil durch den Verkauf von Strom unter Marktpreis an die energieintensiven Eisenlegierungswerke von Ihor Kolomoisky, berichtet die Kyiv Post. Das Staatsunternehmen habe 2019 keine Finanzergebnisse vorgelegt, und die Führungskräfte hätten die Bücher versteckt, so Dmitry Sennychenko, Leiter des State Property Fund.

Centrenergo soll im zweiten Quartal des nächsten Jahres privatisiert werden, so Sennychenko gegenüber Reuters. „Wir haben eine Kommission eingesetzt, jetzt werden wir einen Privatisierungsberater auswählen“, sagte Sennychenko nach der Razzia in der improvisierten Firmenzentrale, einem Sanatorium im südlichen Koncha-Zaspa von Kiew. „Dies wird ein Konsortium oder eine Investitionsbank sein, die anschließend alle notwendigen Verfahren zur Vorbereitung des Unternehmens auf die Privatisierung durchführen wird.“

Landwirtschaft:

Die heftigen Regenfälle im Mai veranlassen die Ukrainian Grain Association, die Ernteprognose für Getreide, Hülsenfrüchte und Ölsaaten um 4% auf 98 Mio. Tonnen zu erhöhen, was in der Nähe des Rekordniveaus des letzten Jahres liegt. Mit der größeren Ernte werden die Exporte auf 58,5 Mio. Tonnen steigen. Die Ausfuhren des letzten Jahres waren 23% höher als im Wirtschaftsjahr 2018/2019. Die „verbesserte Bodenfeuchtigkeit fast im ganzen Land“ lindert Dürreängste und steigert die Erträge, sagt Mykola Gorbatchev, Präsident des Verbandes der Erzeuger, Verarbeiter und Exporteure.

Die Regenfälle im Mai kamen zu spät und fielen nicht weit genug im Süden des Landes, um die Winterweizenernte in Odessa, Kherson und Mykolaiv zu retten, berichtet Tetiana Adamenko, Leiterin der Abteilung Farmwetter des staatlichen Hydrometereologischen Zentrums, UNIAN. In Verbindung mit einer Verlagerung des Anbaus auf Mais könnte dies die diesjährige Weizenernte um 18% auf 23,2 Mio. Tonnen senken. Für das kommende Wirtschaftsjahr könnten die Weizenexporte um ein Viertel auf 14,9 Mio. Tonnen zurückgehen, so Händler gegenüber Reuters.

Die Ukraine hatte den größten Sprung bei Lebensmittelexporten in die EU von allen Ländern in den letzten 12 Monaten bis Januar, berichtet die Europäische Kommission.  Die ukrainischen Exporte stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 21% und beliefen sich auf 1,2 Mrd. Euro. In diesem Zeitraum von einem Jahr war die Ukraine der drittgrößte Lieferant von Nahrungsmitteln in die EU und verkaufte 6,8 Mrd. Euro, was 6 % der Nahrungsmitteleinfuhren der EU entsprach. Die beiden Spitzenreiter waren: Brasilien lieferte 10,7 Mrd. Euro oder 9 %, und die USA mit 10,1 Mrd. Euro oder 8 %.

Da die Landwirte mehr Land in Mais investieren, dürfte die diesjährige Maisernte 6% über dem letztjährigen Rekord von 35,2 Millionen liegen, prognostiziert der Verband. Die Preise für Mais und Weizen, die beiden größten Exportpflanzen der Ukraine, haben sich während der weltweiten Coronavirus-Epidemie gehalten, berichtet die Alfa-Bank Ukraine. Seit Anfang des Jahres sind die Preise für Mais um 2% und die für Weizen um 3% gestiegen. Die Ukraine ist weltweit der viertgrößte Exporteur von Weizen.

Die Getreideexporte sind gegenüber dem Vorjahr um 16% gestiegen, berichtet das Landwirtschaftsministerium. Einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres Juli/Juni hat die Ukraine mit 54,3 Mio. Tonnen einen Rekordwert exportiert. Da China die Einfuhr von US-Getreide reduziert, wird die Ukraine zu einem immer wichtigeren Akteur im Weltgetreidehandel. In den ersten 11 Monaten des Wirtschaftsjahres exportierte die Ukraine: Mais – 28,6 Mio. Tonnen; Weizen – 20,2 Mio. Tonnen; Gerste – 4,8 Mio. Tonnen; und Weizenmehl und andere Körner – 314.500 Tonnen.

Aufgrund der höheren Erträge wird die Ukraine ihre Sojabohnenernte in diesem Jahr um 14% steigern, prognostiziert die Ukrainian Grain Association. Mit einem Anstieg der Erträge um 6% auf 2,5 Tonnen pro Hektar wird die Ernte der Hülsenfrucht Soja voraussichtlich 4,2 Mio. Tonnen erreichen, was weltweit etwa Platz 8 bedeutet. Gestern wies Chinas Regierung große staatliche Agrarunternehmen an, die Sojabohnenkäufe aus den USA zu „unterbrechen„, berichtet Bloomberg.

Bauerngruppen protestieren gegen einen Vorstoß des Wirtschaftsministeriums, 70% des Stickstoffdüngemittelmarktes des Landes für nationale Produzenten zu reservieren. Sie sagen, dass importierte Düngemittel im Allgemeinen 30% billiger sind. Die verlangte Quote käme zwei Oligarchen zugute: Dmitro Firtash, Eigentümer der Ostchem-Gruppe, und Ihor Kolomoisky, Eigentümer von DniproAzot. Nachdem am Donnerstag 1.000 Landwirte gestreikt haben, scheint sich die Regierung vom Quotenplan zurückzuziehen.

Bauwirtschaft:

Die Baukonjunktur in der Ukraine verschärfte sich im April mit einem Rückgang der Bauarbeiten um 16% im Jahresvergleich, berichtet der Staatliche Statistikdienst der Ukraine. Im Wohnungsbau war ein Rückgang von 29% zu verzeichnen. In den ersten vier Monaten des Jahres ging die Bautätigkeit um 9% auf 1,3 Mrd. Dollar zurück. In den Regionen Kiew und Lviv stieg die Bautätigkeit in den ersten vier Monaten des Jahres um 5%. In der Stadt Kiew, dem größten Markt des Landes, ging die Bautätigkeit um 9% auf 331 Mio. US-Dollar zurück.

Gastronomie:

McDonald’s eröffnet in diesem Jahr fünf neue Restaurants in der Ukraine, das gleiche Expansionstempo wie im vergangenen Jahr, sagte Yulia Badritdinova, CEO der Ukraine, auf einer Online-Pressekonferenz. Sie sagte, das Unternehmen habe 93 Restaurants in 20 Städten, was 14% aller Restaurantbesuche in der Ukraine ausmache. Laut Olga Vasilyeva, Marketing-Direktorin, stieg der Lieferservice während der Quarantäne um 65%.

Arbeitsmarkt:

Der Zustrom ukrainischer Arbeiter zurück nach Polen stieg auf 94.000, fast das Dreifache der 34.000, die im April von den polnischen Grenzschützern registriert wurden, berichtet die Warschauer Tageszeitung Rzeczpospolita. Krzysztof Inglot, Leiter der Arbeitsvermittlung des Personaldienstes, schätzt, dass bis zu 400.000 Ukrainer Polen im März verlassen haben, als sich die Bedrohung durch das Coronavirus erstmals abzeichnete. Am vergangenen Montag vereinbarte der polnische Botschafter Bartosz Cichocki in Kiew mit dem stellvertretenden ukrainischen Außenminister Vasyl Bodnar, die Verfahren zur Erlangung einer Arbeitserlaubnis und zum Grenzübertritt für Ukrainer zu vereinfachen.

Ukrainer, die in Polen arbeiten, verdienen etwa 5 Dollar pro Stunde, viermal so viel wie in der Ukraine, schreibt das Warsaw Business Journal und stützt sich dabei auf Zahlen des Personaldienstes. Bis zur Coronavirus-Rezession stiegen die ukrainischen Löhne um 20 Prozent pro Jahr, und ein Viertel der polnischen Arbeitgeber „erklärte, dass sie bereit wären, einem ukrainischen Arbeitnehmer mehr als einem Polen zu zahlen, nur um Personal aus dem Osten anzuziehen“. Inglot vom Personaldienst sagt, dass, obwohl „das Personaldefizit nicht mehr so gravierend ist wie bis vor kurzem… die Ukrainer, die in unserem Land geblieben sind, müssen sich keine Sorgen um das Gehalt machen“.

„Ein neuer Exodus gewinnt bereits an Fahrt“, schreibt Lesia Dubenko in einem Essay des Atlantic Council über ukrainische Arbeiter, die zinsgünstige Kredite und Programme für öffentliche Bauvorhaben verschmähen, die in diesem Frühjahr vorgestellt wurden, um sie zum Bleiben in der Ukraine zu ermutigen. Dubenko, eine Analystin der Kiewer NGO Europa ohne Barrieren, schreibt: „Die große Mehrheit der Arbeitsmigranten aus der Ukraine würde lieber in die EU zurückkehren„.  Sie stellt fest, dass Deutschland Gastarbeiter aus Osteuropa rekrutiert, und schreibt, Kiew müsse „sie dazu verleiten, ihre Zukunft in der Ukraine aufzubauen, ohne auf Restriktionen sowjetischer Art zurückzugreifen“.

Die Wanderarbeitnehmer in der Ukraine, die oft Gelegenheitsjobs in der EU für weniger als die 90-Tage-Visumgrenze annahmen, nehmen zu und suchen verzweifelt nach einem neuen Arbeitsplatz, berichtet Politico in einem Artikel mit der Überschrift Ukraine’s trapped migrant workers look for roads back to Europe.”, titelt Politico. Die Arbeiter fahren per Anhalter mit Ferntransportern in den Westen oder nutzen Fahrgemeinschaften, die in sozialen Netzwerken eingerichtet wurden. „Ukrainer, die ihren Lebensunterhalt in Europa verdienten und zurückeilten, finden sich jetzt zu Hause gestrandet wieder, abgeschnitten von ihrer Einnahmequelle, da die Behörden strenge neue Regeln darüber durchsetzen, wer das Land verlassen darf“, berichtet Lily Hyde. Evgenij Kirichenko, Gründer der Personalvermittlungsagentur Gremi Personal für polnische Arbeitgeber, sagt, dass zwei Drittel der Ukrainer, die vor dem Coronavirus-Lockdown nach Hause kamen, jetzt zurückkehren wollen.

Die Regierung reduzierte den Migrantenstrom zu einem Rinnsal, indem sie einen mindestens dreimonatigen Vertrag, eine Krankenversicherung, Unterkunft und einen organisierten Transport hin und zurück verlangte. Diese neuen Regeln „beeinträchtigen stark das Recht der Menschen auf Freizügigkeit und das Recht, das Land zu verlassen“, sagt Pavlo Kravchuk, Sprecher von Europa ohne Grenzen, einem ukrainischen NGO.

On the Move:

Die ehemalige Finanzministerin Oksana Markarova kehrt in die Wirtschaft zurück. Am vergangenen Dienstag registrierte sie eine Neugründung, Arshidata. Markarova schreibt auf ihrer Facebook-Seite: „Mit einem Team mit umfangreicher Reformerfahrung und in der Zusammenarbeit mit globalen Investoren werden wir über die gestern registrierte Capital Market Development Foundation an der Entwicklung des Aktienmarktes arbeiten“. Markarova arbeitete fünf Jahre lang im Finanzministerium und trat vor drei Monaten als Ministerin zurück.

Daniel Bilak, ehemaliger Chef-Investitionsberater des ukrainischen Premierministers, wechselt als Senior Counsel zu Kinstellar. Bilak, ein kanadischer Jurist mit fast 30 Jahren Berufserfahrung in Osteuropa und der Ukraine, gründete und leitete zuletzt UkraineInvest, die staatliche Investitionsförderungsagentur.

Peter Teluk, zuletzt Berater des Wirtschaftsministers für Investitionen, Privatisierung und Regierungsführung, schließt sich Sayenko Kharenko als Partner an. Teluk, ein amerikanischer Anwalt, arbeitete fast ein Jahrzehnt lang als geschäftsführender Partner des Kiewer Büros von Squire Patton Boggs.

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