Background Image

Dienstag, 16. Juni 2020

Gesetze und Verordnungen: Verkehrssicherheitskampagne zielt auf unachtsame Fußgänger und schnellfahrende Autos Privatisierung und Ausschreibungen: Zu verkaufen: Hotel Dnipro und Hauptquartiert der Ukrposhta am Kreschatik; Widerspruch gegen Auftragsvergabe an China Railway Construction Corporation
James Brooke
by James Brooke
UBN Morning News is reported and written by James Brooke, a former New York Times foreign correspondent and Bloomberg Moscow Bureau Chief
  • Gesetze und Verordnungen: Verkehrssicherheitskampagne zielt auf unachtsame Fußgänger und schnellfahrende Autos
  • Privatisierung und Ausschreibungen: Zu verkaufen: Hotel Dnipro und Hauptquartiert der Ukrposhta am Kreschatik; Widerspruch gegen Auftragsvergabe an China Railway Construction Corporation
  • Volks- und Finanzwirtschaft: Zentralbank senkt erneut den Leitzins; IWF bewilligt Bereitschaftskreditvertrag über 5 Mrd. Dollar mit Auflagen; Wechselkurs, Reserven und Bankfilialen kehren auf Vor-Krisen-Niveau zurück; Inflation sinkt auf 1,7%; Kapitalinvestitionen gingen in Q1 um 35,5% zurück; Freedom Holding beteiligt sich an Ukrainischer Börse
  • Infrastruktur: Installation von 25 weiteren „Weigh-in-Motion„-Systemen und 270 automatischen Geschwindigkeitskameras; Rada: Gelder aus Coronavirus-Fonds darf für Straßenbau verwendet werden;
  • Logistik, Transport und Tourismus: Flüge in die Türkei beginnen am 1. Juli, Flüge in die EU später; Lockdown, aber Güterströme fließen; Erster China-Ukraine-Containerzug fährt in Kiew ein; Boryspil Express nun mit Anbindung an Bahn, Bus, U-Bahn und Flugzeug
  • Energie und Erneuerbare Energien: Kompromiss: Entwurf einer Absichtserklärung für Windkraft- und Solartarife; Weitere Rechtsstreitigkeiten nicht ausgeschlossen; Kherson hat Wind- und Sonnenenergie seit 2018 verdoppelt
  • Landwirtschaft: Kernel investiert 170 Mio. Dollar in Kraftwerke zur Stromerzeugung; Ukraine zweitwichtigste Quelle der EU für die Einfuhr organischer Lebensmittel;
  • Telekommunikation und IT: Raiffeisen verlagert Fintech-Arbeiten von Wien nach Kiew; China-USA-Handelsstreit – Chance für ukrainische Lebensmittelexporte nach China; „Mäuse“ fressen 150.000 Tonnen Getreide
  • Arbeitsmarkt: Täglich bis zu 3.000 Menschen zu Fuß über die Grenze nach Polen
  • Sonstiges: Kiew steigt beim Mercer-Index um 44 Plätze; Präsident von Antonov entlassen; Umfragen zum Home-Office und Zukunft/ Perspektive der Ukraine

Gesetze und Verordnungen:

Fußgänger müssen beim Überqueren der Straße disziplinierter sein. Die Rada billigte in erster Lesung einen Gesetzentwurf, der die Strafe für das Überqueren von Straßen bei Rot um das Fünffache auf 10 Dollar erhöht. Das wahllose Überqueren einer Straße in betrunkenem Zustand wird mit einer Geldstrafe von 20 Dollar geahndet. Im vergangenen Jahr wurden in der Ukraine 607 Fußgänger durch Fahrzeuge getötet und 8.005 verletzt.

Nachdem die Geschwindigkeitskameras einen Kiewer Fahrer erwischt hatten, der innerhalb von 48 Stunden 14 Mal die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritt, sagte der stellvertretende Innenminister Anton Geraschtschenko, die Regierung werde der Rada einen Gesetzentwurf zum Entzug der Führerscheine von chronischen Geschwindigkeitsübertretern vorlegen. Er sagte: „Auf unseren Straßen gibt es keinen Platz für diejenigen, die Menschen töten könnten“.

Privatisierung und Ausschreibungen:

Große“ Privatisierungen, über 10 Mio. Dollar, wird es in diesem Jahr nur eine Handvoll geben, prognostiziert der Premierminister. Er sagt jedoch, dass in diesem Jahr 300 kleine und mittlere Staatsunternehmen verkauft werden. Dmytro Sennychenko, Leiter des State Property Fund, teilt der European Business Association mit, dass in den kommenden Jahren 1.000 Staatsunternehmen verkauft und weitere 1.178 liquidiert werden sollen.

Nächsten Monat wird das kultige Kiewer Hotel Dnipro zur Versteigerung kommen, sagt Sennychenko. Das staatseigene Hotel am Europaplatz verfügt über 186 Zimmer, Restaurants und mehrere Konferenzsäle. Der Startpreis der Auktion beträgt 10 Mio. Dollar.

Ukrposchta plant den Verkauf ihres Hauptquartiers aus der Stalin-Ära am Khreschatik, der Hauptstraße Kiews. Igor Smelyansky, CEO der staatlichen Postgesellschaft, glaubt, dass das Gebäude für 37 Mio. Dollar verkauft werden könnte. Die Modernisierung des Gebäudes würde 3,5 Mio. Dollar kosten, sagt er in einem Fernsehinterview. Ukrposchta plant zudem, das Hauptsortierzentrum in der Nähe des Kiewer Hauptbahnhofs zu verkaufen und mit dem Erlös ein neues Sortierzentrum außerhalb von Kiew zu bauen. Vor zwei Wochen führte Ukrposchta sieben Auktionen auf Prozorro.Sales durch, bei denen nicht zum Kerngeschäft gehörende Immobilien für insgesamt 3,4 Mio. Dollar verkauft wurden.

Der wichtigste ukrainische Hersteller von Eisenbahnausrüstungen legt Widerspruch gegen die Auftragsvergabe ein, bei der die China Railway Construction Corporation den Zuschlag für den Bau von acht U-Bahn-Zügen mit fünf Waggons für die U-Bahn von Kharkiv erhielt. Mit der Feststellung, dass das chinesische Angebot nur 1% unter dem ukrainischen Angebot von 49 Mio. Euro lag, erhebt das Kriukiv Railway Car Building Works aus Krementschuk den Vorwurf, dass die Kharkiver U-Bahn einen Zuschlag von 25% für Mehrwertsteuer und Zölle auf importierte Ausrüstung zahlen muss. Sie sagen, dass der Hauptfinanzierer, die Europäische Investitionsbank, vorschreibt, dass nationale Unternehmen bei der internationalen Ausschreibung bevorzugt werden. „Im Werk sind sie von der Entscheidung des Ausschreibungskomitees überrascht, da es während der Zeit der Wirtschaftskrise ratsamer wäre, Aufträge an einheimische Unternehmen zu vergeben“, berichtet das Center for Transportation Strategies.

Volks- und Finanzwirtschaft:

Um die wirtschaftliche Erholung der Ukraine in Gang zu bringen, senkte die Zentralbank den Leitzins um unerwartete 2 Prozentpunkte auf 6%, den niedrigsten Stand seit der Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion im Jahr 1991. Es war die neunte Senkung innerhalb von 14 Monaten, eine Serie, die im April letzten Jahres begann, als der Leitzins 18% betrug. Damit liegt der neue Zinssatz unter dem Zielzinssatz von 7%, den die Nationalbank der Ukraine für Ende dieses Jahres festgelegt hatte.

Nach einer 2-Punkt-Senkung Ende April reagierte die Bank eindeutig auf den schweren Abschwung im zweiten Quartal, der durch den nationalen Lockdown zur Bekämpfung des Coronavirus ausgelöst wurde. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Konsum- und Investitionsnachfrage länger als vorhergesagt gedrückt bleiben“, sagte Zentralbankgouverneur Yakiv Smoliy. „Der Abschwung der ukrainischen Wirtschaft könnte tiefer sein als erwartet… Es sind entscheidende Schritte erforderlich, um die Wirtschaft schnell wieder auf den Wachstumspfad zurückzuführen.“

Die Zinssenkung erfolgt in dem Moment, in dem der IWF die ukrainische Wirtschaft pessimistisch beurteilt und einen Rückgang um 8,2% in diesem Jahr und eine vollständige Erholung erst bis 2024 voraussagt.Es wird nicht erwartet, dass der Output vor 2023-24 sein Vorkrisenniveau erreicht„, sagte der IWF in einem ausführlichen Bericht, der die Genehmigung einer 18-monatigen Bereitschaftskreditvereinbarung mit der Ukraine in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar durch das IWF-Exekutivdirektorium begleitet. „Die Reformen stießen zunehmend auf den Widerstand von Interessengruppen, und Gerichtsurteile untergruben die Reformfortschritte, insbesondere bei der Bekämpfung der Korruption und den Reformen des Finanzsektors… Infolgedessen wurden die Investitionen, insbesondere die ausländischen Direktinvestitionen, weiterhin durch ein schwieriges Geschäftsumfeld gebremst, und das Wachstum war zu gering, um die Einkommenslücke gegenüber den Konkurrenten der Ukraine merklich zu schließen.“

Das IWF-Exekutivdirektorium genehmigte eine 18-monatige Bereitschaftskreditvereinbarung mit der Ukraine in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar. Die erste Tranche in Höhe von 2,1 Mrd. Dollar soll kurzfristig überwiesen werden. Der Rest soll in vier Tranchen bis Dezember 2021 überwiesen werden. Der Vorstand sagte in einer Erklärung, dass die Konditionalitäten „eine kleine Reihe von wichtigen Strukturreformen fördern, um die Rückkehr der Ukraine zum Wachstum nach dem Ende der Krise zu garantieren“. Die Schlüssel sind: die Wahrung der Unabhängigkeit der Zentralbank und ein frei schwankender Wechselkurs.

Der durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöste weltweite Wirtschaftsabschwung hat den IWF nach neunmonatigen Gesprächen mit der Regierung Zelenskiy eindeutig zum Handeln veranlasst.Die Umsetzung der Reformen ist ungleichmäßig verlaufen, und es wird eine konsequente Umsetzung der Strukturreformen erforderlich sein, um eine dynamischere und wettbewerbsfähigere Wirtschaft zu schaffen„, so der IWF. „Gegenwärtig hat die humanitäre und wirtschaftliche Krise, die auf die COVID-19-Pandemie zurückzuführen ist, die politischen Prioritäten weg von tiefgreifenden Strukturreformen neu ausgerichtet“, so der IWF.

Die Vereinbarung mit dem IWF ist an Bedingungen geknüpft: Beibehaltung der Wechselkursflexibilität, Bindung der Gaspreise für Haushalte an die regionalen Preise nach August, Verabschiedung eines Gesetzes zur Festlegung der letztendlich begünstigten Grundstückseigentümer und Einhaltung des diesjährigen Inflationsziels von 5%. Im vergangenen Monat stiegen die Preise im Jahresvergleich um 1,7%.

Die Regierung erwartet, dass die wirtschaftliche Erholung der Ukraine im nächsten Monat einsetzen wird. „All diese Makroprognosen stimmen in etwa überein: Ab dem dritten Quartal erwarten wir ein Wirtschaftswachstum in der Ukraine“, sagte Premierminister Shmyhal vor Reportern. „Es gibt Unternehmen, die gelitten haben, aber es gibt auch Unternehmen und Hersteller, die recht optimistisch sind.“ Er versprach eine Ausweitung der staatlichen Investitionen und die Beibehaltung des Straßenbauprogramms in Höhe von 4 Mrd. Dollar: „Die Ankurbelung der Wirtschaft ist eine der Hauptaufgaben der Regierung für das laufende Jahr.“

Mit dem IWF-Deal mit der Ukraine kommt das Geld ins Rollen. Die EU überwies 500 Mio. Euro, die zweite Tranche im Rahmen eines Makrofinanzhilfeprogramms. Das Finanzministerium soll 2,1 Mrd. Dollar erhalten, die erste Tranche von insgesamt 5 Mrd. Dollar, die über 18 Monate an die Ukraine ausgezahlt werden sollen. Innerhalb von zwei Wochen soll die Weltbank 250 Mio. Dollar überweisen, sagte Finanzminister Sergei Martschenko vor Reportern. Präsident Zelenskiy fasste vor Reportern zusammen: „Wir erwarten mehr als 3 Milliarden Dollar im kommenden Monat.“

Diese Zuflüsse bedeuten, dass „die Ukraine sich hinsichtlich des externen Finanzbedarfs des Landes für den Rest dieses Jahres ziemlich sicher fühlen kann„, schreibt der schwedisch-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Anders Åslund in einem Blog des Atlantic Council Ukraine AlertUnter diesen Umständen wäre das ukrainische Finanzministerium gut beraten, die Gelegenheit zu nutzen und einen substanziellen Eurobond zu verkaufen, um die Staatsfinanzen so schnell wie möglich noch sicherer zu machen, solange es gut läuft.

In einer Analyse der IWF-Eklärung, in der dreimal die Beibehaltung der Unabhängigkeit der Nationalbank der Ukraine gefordert wird, schreibt Åslund: „Der IWF hätte genauso gut schreiben können: Wagen Sie es nicht, die NBU anzurühren!“ Mit Blick auf die Besorgnis des IWF über Zelenskiy‘s künftige Wirtschaftspolitik schreibt er: „Wenn man zwischen den Zeilen liest, ist die Botschaft an die ukrainische Regierung klar: Sie mögen unsere Bedingungen erfüllt haben, aber wir vertrauen Ihnen immer noch nicht.“

Dank des Geschicks der Zentralbank brach die Währungskrise vom März mit der Tradition und führte nicht zu einer großen Abwertung und einem Ansturm auf die Banken, sagte Olena Bilan, Chefvolkswirtin von Dragon Capital, auf einer Finanzkonferenz. „Während der Krise hat die Dynamik des Wechselkurses positiv überrascht“, sagte sie und bemerkte, dass viele vorhersagten, dass der Regierungslockdown während der Coronavirus-Pandemie dazu führen würde, dass der Hryvnia unter 30 zum Dollar fallen würde. Sie fügte hinzu: „Zum ersten Mal in allen Krisen hatten wir fast keinen Abfluss von Einlagen aus dem Bankensystem. Das war sehr unerwartet.“ Sie bemerkte, dass etwa 100 Banken während der Krise 2014-2015 geschlossen wurden. Weiterhin sagte sie: „Wir haben jetzt eine Krise des realen Wirtschaftssektors. Aber es gibt keine Krise des Währungs-, Banken- und Finanzsystems. Und das ist ein Verdienst der Zentralbank“.

Der IWF gab eine pessimistische Prognose für die Wirtschaftsleistung der Ukraine in diesem Jahr ab: Ein Schrumpfen des BIP um 8,2% im Jahr 2020 und ein Wachstum von nur 1,1% im nächsten Jahr. Im Gegensatz dazu prognostizierte die Weltbank, dass die Schrumpfung der ukrainischen Wirtschaft mit 3,5% im Jahr 2020 geringer ausfallen wird. Für das kommende Jahr prognostiziert die Weltbank, dass die Wirtschaft der Ukraine um 3% wachsen wird. Die ukrainische Regierung geht davon aus, dass der Rückgang in diesem Jahr 5% betragen wird.

„Die Unsicherheit ist groß“, schreibt das IWF-Exekutivdirektorium. „Die Wirtschaft wird den Prognosen zufolge im Jahr 2020 stark schrumpfen, da strenge Eindämmungsmaßnahmen – in der Ukraine und weltweit – zu einem beträchtlichen Rückgang der Binnen- und Auslandsnachfrage führen werden… Die Risiken für das neue Programm sind sehr groß. Die Unsicherheit über die Schwere und Dauer des globalen Abschwungs ist außerordentlich groß. Innenpolitisch ist die Unsicherheit über die Richtung der Wirtschaftspolitik nach wie vor beträchtlich“.

Da Investoren die IWF-Vereinbarung beführworten, kehren die Marktindikatoren der Ukraine auf das Vor-Coronakrisen-Niveau zurück. Die Rendite der 12-jährigen ukrainischen Staatsanleihe ist auf 6,7%, den Stand vom Januar, gefallen. Ende März kletterte sie auf fast 12%. Der Kurs der BIP-Anleihen fiel im April auf fast 50. Jetzt liegen sie bei etwa 75, dem Stand von August. Im weiteren Universum der Schwellenmärkte fiel der Barclays USD High Yield EM Index, der auf etwa 700 Anleihen basiert, im März um 23%. Er erholte sich um 21,5% und näherte sich damit dem Stand vom Dezember.

Da der Coronavirus-Lockdown die Nachfrage dämpfte, fiel die Inflation im Mai auf 1,7% im Jahresvergleich, gegenüber 2,1% im April, berichtet das State Statistics Service. Die Preise fielen im Jahresvergleich: Erdgas – 53,5%, Benzin – 28% und Gemüse – 21%. Die Preise stiegen um 35 % bei Obst, 25 % bei Wasser und 13,5 % im Bildungswesen. Die Nationalbank der Ukraine hat ein Inflationsziel für das Jahresende von 5% festgelegt.

Die Kapitalinvestitionen in der Ukraine gingen im ersten Quartal um 35,5% zurück, eine Umkehrung des 21%igen Wachstums im vierten Quartal des vergangenen Jahres, berichtet der Staatliche Statistikdienst. Für diesen Zeitraum Januar-März waren die Hot Spots: Dienstleistungen + 51%, Telekommunikation + 41% und IT + 9%. Etwa 75% der Investitionen in Höhe von 2,8 Mrd. Dollar wurden aus dem Cash-Flow der Unternehmen finanziert. Von den Investitionen entfielen 42% auf Maschinen und Fahrzeuge und 49% auf Gebäude.

Das Finanzministerium senkte bei der wöchentlichen Auktion die Renditen für kurzfristige Hryvnia-Anleihen. Die 3-Monats-Anleihen fielen von 9,9% pro Jahr auf 9%. Die 6-Monatsanleihen fielen von 10,27% auf 9,5%. Die 9- und 12-monatigen Emissionen gingen leicht zurück, von 10,89% auf 10,79-10,8%. Zum ersten Mal seit Ende Februar, kurz vor der Coronavirus-Krise, versteigerte das Ministerium 18-monatige Anleihen und verkaufte Anleihen im Wert von 215 Mio. Dollar mit einem Zinssatz von 10,8%.

Nach einer zweimonatigen Pause verkaufte das Ministerium Anleihen in Euro, berichtete der Pressedienst auf Facebook. Die Anleger kauften 11-Monats-Anleihen im Wert von 353 Mio. Euro bei einer Rendite von 2,2%. In Euro und Hryvnia erbrachte die Auktion den Dollar-Gegenwert von 664 Mio. Dollar. Eine Woche zuvor hatte das Ministerium Hryvnia-Anleihen im Wert von 108 Mio. Dollar verkauft.

Die Steuerregistrierung von neuen Unternehmern und neuen Unternehmen ist auf das Niveau vor der Coronavirus-Krise zurückgekehrt, schreibt Premierminister Shmygal auf seiner Facebook-Seite. Mit Blick auf die 5.000 Unternehmer oder „FOPs“ und die 1.000 neu registrierten Unternehmen schreibt er: „Die Anti-Krisen-Maßnahmen der Regierung zeigen erste Ergebnisse“. Die Rada prüft derzeit einen Gesetzentwurf zur Schaffung des „New Money“-Programms, das Kleinunternehmen Kredite zu 3% pro Jahr gewähren soll.

Letzte Woche sagte Präsident Zelenskiy: „Wir werden Druck auf die Kreditgeber ausüben„, so dass die Kreditzinsen „maximal 5-6%“ betragen werden.

Alexander Paraschiy von Concorde Capital schreibt:Zelenskiy‘s jüngster politischer Stunt mag sein positives Image nähren und seine Popularität verbessern…[aber] Zelenskiy‘s erklärtes Ziel, dass die Banken Einzelkredite zu 5-6% anbieten sollen, scheint angesichts der mittelfristigen Erwartung der Zentralbank, dass der Leitzins 7% betragen wird, und ihres mittelfristigen Inflationsziels von 5% nicht realisierbar. Da die Regierung heute Kredite in Höhe von 10%-11% in lokaler Währung aufnimmt, sind Bankkredite in Höhe von 6% nur mit staatlichen Subventionen für die Banken möglich“.

Mit dem Kauf von 411 Mio. Dollar auf dem Interbanken-Devisenmarkt in der vergangenen Woche hat die Nationalbank der Ukraine die Auswirkungen ihrer großen Verkäufe im März zur Verteidigung des Hryvnia ausgeglichen. Seit Anfang des Jahres hat die Zentralbank 347,5 Mio. Dollar mehr gekauft als verkauft. „Auf diese Weise haben wir in dieser Woche das Ergebnis des ’schwarzen‘ März ausgeglichen„, berichtete die Bank. Die Reserven sind wieder auf 25,4 Mrd. Dollar gestiegen.

Die ukrainischen Banken haben 89% ihrer Filialen eröffnet, gegenüber 75% vor einem Monat. Die Nationalbank der Ukraine berichtet auf ihrer Facebook-Seite: „Die Banken kehren, wie das ganze Land, allmählich zum normalen Leben zurück.“

Die in Kasachstan ansässige Freedom Holding Corp. hat eine 20%ige Beteiligung an der Ukrainischen Börse, einem der beiden führenden Wertpapiermärkte der Ukraine, erworben. Freedom Holding, deren Aktien am New Yorker Nasdaq-Kapitalmarkt gehandelt werden, ist ein Finanzdienstleistungsunternehmen, das in der ehemaligen Sowjetunion – Kasachstan, Kyrgyzstan, Russland, Ukraine und Usbekistan – stark ist. Mit 13 Büros in der Ukraine ist Freedom ein lizenzierter Teilnehmer an der Börse, die sich im Horizon Office Tower in Kiew befindet. Freedom erwarb kürzlich eine 13%ige Beteiligung an der St. Petersburger Börse.

Infrastruktur:

Kanadische „Weigh-in-Motion„-Lasersensoren, die an sechs Orten auf Autobahnen rund um Kiew installiert wurden, stellten fest, dass 41% der Lastwagen überladen waren, berichtet Ukravtodor. In einem Pilotprojekt wurden im vergangenen Herbst sechs der 1 Mio. Dollar teuren Sensorkomplexe installiert. Von den 1,15 Mio. Lastwagen, die in den sechs Monaten bis zum 31. Mai gemessen wurden, waren 470.342 Lastwagen überladen. Dies teilte die staatliche Autobahnbehörde mit: „Dies deutet darauf hin, dass fast jeder zweite Lkw, der auf ukrainischen Straßen fährt, für die Verkehrsteilnehmer gefährlich ist und die ukrainischen Straßen zerstört“.

Beeindruckt von diesen Zahlen bewilligte das Ministerkabinett weitere 15 Mio. Dollar für die Installation von 25 weiteren „Weigh-in-Motion„-Systemen in diesem Jahr und für die Reparatur von 50 transportierbaren Lkw-Waagen. Im vergangenen Jahr trug die Weltbank 4,9 Mio. Dollar zum Kauf der ersten Systeme bei. Jede neue Autobahn im Rahmen des großen Bauprojekts soll ein Messsystem erhalten. Ukravtodor hat eine Karte veröffentlicht, die zeigt, wo sich die Sensoren befinden werden, vor allem an den Straßen, die zu den Schwarzmeerhäfen führen. sagte Minister Krykliy: „Wegen Verstoßes gegen die Regeln für die Durchfahrt von übergroßen und schweren Fahrzeugen werden Straßen zerstört.“

Um die Straßenabschnitte mit den meisten Todesopfern zu erfassen, plant das Infrastrukturministerium die Installation von insgesamt 270 automatischen Geschwindigkeitskameras in der gesamten Ukraine. Die ersten 50 wurden vor einer Woche in Kiew installiert. Standorte in 12 weiteren Gebieten für 58 weitere Kameras wurden ausgewählt, schreibt Minister Krikliy auf Facebook. In den ersten drei Tagen sank die Zahl der von den Kameras in Kiew aufgezeichneten Geschwindigkeitsübertretungen um 41%, von 57.880 auf 34.176.

Die Rada stimmte dafür, dass Gelder aus dem 2,4 Mrd- Dollar schweren Coronavirus-Fonds für den Straßenbau verwendet werden dürfen. Mit dem Argument, dass die Gesundheitskrise nun eine soziale Krise sei, sagt die Regierung, dass das Straßenbauprojekt „Big Construction“ 13.000 Menschen direkt beschäftigen und 50.000 weitere Arbeitsplätze schaffen wird. Am 13. April stimmte die Rada für die Einrichtung des Fonds zur Bekämpfung des Coronavirus.

Bis vor zwei Wochen waren nur 20% des Coronavirus-Notfallgeldes ausgegeben worden, berichtet die Kyiv School of Economics und stützt sich dabei auf Daten des Finanzministeriums. Damit bleiben 1,9 Mrd. Dollar für Ausgaben in diesem Sommer. Am Donnerstag sagte Alexander Kurbakov, Leiter der staatlichen Autobahnbehörde Ukavtodor, dass der Gesetzentwurf „es dem Staat erlauben wird, Gelder aus dem Sonderfonds COVID-19 für Straßen zu verwenden, sofern sie nicht für andere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verwendet werden“.

Die Verwendung von metallurgischer Schlacke und Asche als Ersatz für Schotter beim Straßenbau könnte der Ukraine bis zu 18 Mio. Dollar pro Saison einsparen, rechnet Olga Boyko, Vorsitzende des European Business Association’s Ecology and Sustainable Development Committee, vor. In der EU werden bis zu 90% der Schlacke und 43% der Asche aus der Stahlerzeugung im Straßenbau verwendet. Das Ministerkabinett der Ukraine genehmigte die Verwendung dieser Industrieabfälle, und die Region Donezk begann mit der Verwendung von Schlacke und Asche bei einem Straßenbauprojekt.

Logistik, Transport und Tourismus:

Die Türkei öffnet sich am 1. Juli für Touristen aus der Ukraine, sagte Ilker Adıgüzel, Generaldirektor von Anex Tour, unter Berufung auf eine telefonische Vereinbarung zwischen den Außenministern der beiden Schwarzmeeranrainerstaaten. Am 1. Juli nimmt Anex Tour wieder tägliche direkte Charterflüge nach Antaly und Bodrum auf, die von Azur Air Ukraine durchgeführt werden. Er sagte, die Türkei habe „alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für Touristen und den Tourismus im Allgemeinen umgesetzt“.

Die EU plant eine schrittweise Öffnung ihrer Außengrenzen ab dem 1. Juli und räumt Ländern mit Coronavirus-Infektionsraten, die niedriger sind als die der EU, Vorrang ein, sagte Interfax-Ukraine und zitierte Ylva Johansson, eine EU-Kommissarin für Inneres. „Ab dem 1. Juli werden wir damit beginnen, die Grenzen zu einigen Ländern schrittweise zu öffnen“, sagte sie. In Bezug auf Reisen innerhalb der EU fügte sie hinzu: „Wir schlagen den Ländern vor, die Beschränkungen an den Binnengrenzen ab Montag aufzuheben“.

Diese Politik zwingt zur Verschiebung aller für Juni geplanten Kiew-Boryspil – EU-Flüge: KLM nach Amsterdam, Austrian Airlines nach Wien am 22. Juni und Czech Airlines nach Prag am 22. Juni. Ryanair verkauft ab dem 1. Juli Tickets aus der Ukraine in 18 EU-Städte. Ryanair fliegt von Kiew Boryspil, Kharkiv, Lviv und Odessa.

Da Kiew Boryspil an einem schlechten Tag wie Pjöngjang International aussieht, fertigte der größte Flughafen der Ukraine im Mai 28.200 Passagiere ab, 98% unter dem normalen Niveau. Im Januar und Februar fertigte der Flughafen 1.950.387 Passagiere ab, 15% mehr als in den ersten beiden Monaten des vergangenen Jahres. Zwei Inlandsstrecken – nach Odessa und Dnipro – wurden wieder aufgenommen. Am Montag wurden die internationalen Flüge wieder aufgenommen. Die EU und das Vereinigte Königreich sind bis Ende Juni für Inhaber von Nicht-Schengen-Pässen jedoch weitgehend geschlossen.

Rund 100 Flüge pro Tag flogen im Mai im ukrainischen Luftraum, ein Rückgang von 89% gegenüber dem Vorjahr, berichtet die nationale Flugsicherungsbehörde UkSATSE. Am Montag wurden nach einer 3-monatigen Aussetzung internationale Flüge in und aus der Ukraine wieder aufgenommen. Am Freitag, dem 5. Juni, starteten Inlandsflüge von Kiew Boryspil nach Odessa und Dnipro. Aber UkSATSE berichtet: „Experten schätzen, dass eine Rückkehr zum Umfang der Flüge aus der Zeit vor der Krise bis zu zwei Jahre dauern kann“.

In den drei Jahren seit Beginn der Visafreiheit, am 11. Juni 2017, haben die Ukrainer fast 50 Mio. Reisen in die EU unternommen, berichtet der Staatliche Grenzdienst der Ukraine. Mit der Explosion der Billigflugverbindungen wurde das Flugzeug zur beliebtesten Reiseform. Die Zahl der Reisen in die EU stieg im Jahresvergleich um 6,5% auf 18,65 Mio. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres stiegen die Reisen um 30% auf 3 Mio. Im vergangenen Jahr reisten fast 1 Mio. Ukrainer mit der Bahn in die EU, wobei Ukrzaliznytsia 20 Züge in die EU einsetzte.

Auf dem Höhepunkt des Lockdown sei die Zahl der Lastkraftwagen, die den Abschnitt der Region Lviv an der polnisch-ukrainischen Grenze überquerten, um ein Viertel zurückgegangen, so Edita Khabowska, Sprecherin des polnischen Zolldienstes der Region Podkarpackie Voivodeship, gegenüber Ukrinform. Zwischen dem 15. März und dem 15. Mai sei die Zahl der Lastwagen auf 42.000 gesunken.

Lockdown, aber Güterströme fließen: Bahncontainertransporte steigen, Flussfracht sinkt. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres beförderte Ukrzaliznytsia 16% mehr Container als im Januar-Mai letzten Jahres. Züge beförderten 185.000 Container, berichtet Magistral, die hausinterne Nachrichtenseite der Staatsbahn. Im gleichen Zeitraum ging die Flussfracht im Vergleich zum Vorjahr um 14% auf 2,7 Mio. Tonnen zurück, berichtet der River Information Service, eine Einheit der ukrainischen Seehafenbehörde. Im vergangenen Jahr wurden auf dem Fluss 11,8 Mio. Tonnen Fracht befördert, 19% mehr als 2018.

Während der ersten 10 Tage, nachdem auf den Straßen und Autobahnen Kiews Blitzer installiert wurden, hat sich die Zahl der täglichen Übergriffe halbiert. Geschwindigkeitsübertreter zahlten 7.399 Bußgelder und brachten 54.000 Dollar in die Staatskasse, berichtet Innenminister Arsen Avakov.

Kiew-Uzhgorod, einst der längste Inlandsflug der Ukraine aus der Hauptstadt, könnte nach der Unterzeichnung eines slowakisch-ukrainischen Abkommens im nächsten Monat wieder aufgenommen werden, schreibt Infrastrukturminister Wladyslaw Krykliy via Telegram. Aufgrund der Lage des Flughafens an der Ostgrenze der Slowakei müssen alle Starts und Landungen mit dem EU-Mitgliedstaat Slowakei koordiniert werden. Vor zwei Jahren wurde der Flughafen Uzhgorod von der Flugsicherheitsagentur der Europäischen Union zertifiziert.

Der erste chinesisch-ukrainische Containerzug traf am zurückliegenden Montag auf dem Kiewer Güterbahnhof am linken Ufer in der Nähe von Darnytsia ein. Mit 41 Containern an Bord benötigte der Zug 15 Tage, um 9.000 km von Nordchina durch die Mongolei und dann von Russland in die Ukraine zu fahren. Mit dem Schiff würde die gleiche Reise 45 Tage dauern, schreibt Roman Veprytsky, Infrastrukturdirektor der Ukrzaliznytsia, auf Facebook. Die nächsten Containerzüge aus China sollen am 16. und 26. Juni eintreffen.

Bis heute sind 10 chinesische Containerzüge durch die Ukraine in die EU gefahren, ein lukratives Geschäft, das Ukrzaliznytsia ausbauen will. Im vergangenen Monat schickte China 1.033 Containerzüge nach Europa, 43% mehr als im Mai 2019. Die Zahl der Container belief sich auf 93.000, 48% mehr als im Mai 2019. Da der Verkehr aufgrund des weißrussisch-polnischen Spurwechsels wieder zunimmt, hofft Ukrzaliznytsia, Züge nach Österreich, Ungarn und in die Balkanländer anziehen zu können. Im Januar fuhr ein chinesischer Testzug aus der Region Lviv 400 km nach Polen auf einer alten sowjetischen Spurweite, die nach Sławków, einer Stadt in Südmittelpolen, führt.

Der Boryspil Express, der Kiewer Zug zum Flugzeug, startete wieder, nun allerdings mit direkten Verbindungen zu Metro, Bus und Intercity-Zügen am neu umgebauten Bahnhof Vydubychi. In Bezug auf die Station der Metro schreibt Ivan Yurik, amtierender CEO der Ukrzaliznytsia, auf  Facebook: „Wir haben dort den versprochenen Verkehrsknotenpunkt geschaffen. Wir haben mehrere Transportarten auf einmal in einer einzigen Logistikkette kombiniert: Bahn, Bus, Flugzeug und U-Bahn“.

Energie und Erneuerbare Energien:

Die Windkrafttarife würden um 7,5%, die Solartarife um 15% gesenkt, so der Entwurf einer Absichtserklärung, der am Mittwoch vom Ministerkabinett und zwei Industriegruppen verabschiedet wurde. Die „grünen Tarife“ würden für Solaranlagen gelten, die bis zum 1. Juli fertiggestellt werden, sowie für Windkraftanlagen, die sich derzeit im Bau befinden. Die grünen Tarife würden am Ende dieses Jahrzehnts auslaufen. Bei der Kabinettssitzung deutete die amtierende Energieministerin Olha Buslavets an, dass der Staat die 500 Mio. Dollar Verbindlichkeiten, die in diesem Frühjahr bei den grünen Stromerzeugern aufgelaufen sind, bezahlen wird.

Die vorgeschlagene Vereinbarung kommt zustande, da etwa 600 Ökostromerzeuger vor dem Ausfall von Bankkrediten oder dem Bankrott stehen, sagten Branchenführer am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Zwei Industriegruppen unterzeichneten das Abkommen: die European-Ukrainian Energy Agency und die Ukrainian Wind Energy Association. Der dritte, die Ukrainian Association of Renewable Energy, wird voraussichtlich ebenfalls unterzeichnen. Es ist unklar, ob die Rada vor ihrer Sommerpause Anfang Juli ein Ermächtigungsgesetz verabschieden kann.

Der Kompromiss kommt nach neunmonatigen Gesprächen, die viele Investitionsprojekte eingefroren und Investoren verärgert haben. Ihor Tinniy, ein Mitbegründer der Ukrainian Renewable Energy Association, sagte am Dienstag, dass eine Tarifsenkung um 15 % eine Gewinnkürzung um 50 % bedeuten würde. Er rechnet damit, dass solche Tarifkürzungen der Ukraine 250-300 Mio. Euro an jährlichen Steuern entziehen würde. Alina Sviderska, Government Relations Manager bei der norwegischen Scatec Solar, sagt, dass die grünen Tarife in der Ukraine höher seien als in der EU, weil die Kosten für die Kreditaufnahme für ukrainische Projekte und den Anschluss an das Stromnetz hoch seien.

Viele Investoren – ausländische und inländische – sprechen mit Anwaltskanzleien über Rechtsstreitigkeiten – entweder durch internationale Schiedsverfahren oder durch bilaterale Investitionsverträge. „Wir können nicht ausschließen, dass die endgültigen Bedingungen für Investoren in einem solchen Ausmaß nachteilig sein werden, dass sie gezwungen sein werden, individuelle oder kollektive (Massen-) Forderungen über ein Investitionsschiedsverfahren einzuleiten„, schickte Maksym Sysoiev, ein Anwalt der Kiewer Kanzlei Dentons, per E-Mail an die Ökoenergie-Unternehmen. „Wir haben unsere Datenbank von Investoren erstellt, die an potenziellen Forderungen gegen die Ukraine interessiert sind.“

Durch die Tarifsenkungen würde die Ukraine jährlich 200 Mio. Euro und bis 2030 2 Mrd. Euro sparen, sagte Premierminister Shmygal. Er versicherte dem Kabinett: „Heute befinden wir uns in der Endphase der Unterzeichnung eines Abkommens mit Investoren in grüne Energie“.  Der Weg zu dem Abkommen beinhaltete eine monatelange Vermittlung durch das Energy Community Secretariat der EU in Wien.

“Ukraine’s Green Energy Disaster is Sliding Toward a Power Crisis,”, titelt eine Vorgeschichte des Abkommens in BNE Intellinews. Der Artikel stellt fest, dass die hohen Tarife seit 2018 Investitionen in erneuerbare Energien in Höhe von 4,5 Mrd. Dollar nach sich zogen, die einzige bedeutende Investition in die Stromerzeugung in der Ukraine seit der Sowjetzeit. „Es ist so ziemlich der einzige Wirtschaftssektor, der breit angelegte Zuflüsse ausländischer Investitionen angezogen hat“, schreibt der Autor Ben Aris. Er stellt fest, dass Präsident Zelenskiy es abgelehnt hat, sich mit Ökostrom-Investoren zu treffen, und kommt zu dem Schluss: „Zelenskiy hat vor kurzem ein ‚Investment-Nanny‘-Programm eingeführt, um ausländische Investoren bei Investitionen in der Ukraine zu unterstützen, aber die Regierung ignoriert ganz klar die Bedürfnisse und Probleme der wenigen ernsthaften ausländischen Investoren, die sie bereits hat.“

„Der Markt bewegt sich eindeutig in Richtung saubere Energie“, schreibt Michael Bloomberg im Leitartikel des Bloomberg Green magazine über weltweite Trends. „Die Kosten für saubere Energie sind dramatisch gesunken, was Wind – und Solarenergie zu zwei der am schnellsten wachsenden arbeitsplatzschaffenden Industrien gemacht hat. Sie sind jetzt in weiten Teilen der Welt billiger als fossile Brennstoffe – und bringen bessere Renditen für Investoren… Wirtschaftsführer und Verbraucher sehen den Wert in einer grüneren Wirtschaft. Schließlich sparen sie dadurch Geld auf ihren Stromrechnungen, reinigen die Luft in ihren Gemeinden und verringern die Volatilität der Energiemärkte.“

Staatliche Verluste aufgrund von Klagen von Ökostromerzeugern könnten sich auf 1 Mrd. Dollar pro Jahr belaufen, prognostiziert Oleg Gramotenko, Generaldirektor von Tesla Energy. „Mehr als die Hälfte der Investoren in erneuerbare Energien verhandeln bereits mit internationalen Anwaltskanzleien über die Vorbereitung von Klagen gegen den Staat Ukraine„, sagte er auf einer Pressekonferenz bei Interfax-Ukraine. Er sagte, dass neun Monate Gespräche über grüne Tarife nicht zu einem Kompromiss geführt hätten.

Der Garantierte Käufer von Elektrizität, bekannt als GarPok, ist mit fast einer halben Mrd. Dollar an Zahlungen an die Produzenten von Erneuerbarer Energie in Verzug geraten, sagte die amtierende Energieministerin Olga Buslavets. Laut der Website von GarPok betrug die Höhe der beglichenen Verbindlichkeiten an die Erzeuger: 11% im März, 5% im April und 7% im Mai. Laut Ukrenergo beträgt die installierte Kapazität von Wind- und Solaranlagen in der Ukraine jetzt 5,2 GW, etwa das Dreifache des Niveaus von vor 18 Monaten.

Kherson hat seine Wind- und Sonnenenergie seit 2018 verdoppelt und verfügt nun über die Kapazität, 40% des Strombedarfs der Region zu decken, berichtet hersonweek, eine lokale Nachrichtenseite. Das nördlich der Krim gelegene Kherson, mit Zugang zum Schwarzen und Asowschen Meer, verfügt über sechs Windparks mit 338 MW Erzeugungskapazität und 50 Solaranlagen mit 401 MW Kapazität.

Rumäniens größter Stromerzeuger plant den Bau des ersten Offshore-Windparks am Schwarzen Meer, berichtet Balkan Green Energy News. Hidroelectrica SA, zu 80% im Besitz des rumänischen Staates, plant den Bau eines 500-MW-Windparks mit Turbinen auf Türmen, die auf dem Meeresboden verankert sind, im Wert von 590 Mio. Euro. Hidroelectrica strebt die Inbetriebnahme im Jahr 2026 an und erwartet, über sein neues europäisches Green-Deal-Programm von der Europäischen Kommission eine Finanzierung für etwa die Hälfte der Projektkosten zu erhalten.

Landwirtschaft:

Kernel, der größte ukrainische Exporteur von Sonnenblumenöl, investiert 170 Mio. Dollar in Kraftwerke zur Stromerzeugung, die mit Sonnenblumenschalen betrieben werden, berichtet das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite. Bis Ende nächsten Jahres rechnet Kernel mit sieben „grünen Energieturbinen„, die insgesamt 90 MW erzeugen sollen. Die größte, im Bau befindliche Starokostianstyniv-Ölzerkleinerungsanlage in der Region Khmelnytskyi wird 20 MW erzeugen und damit die größte Ölsaaten-Zerkleinerungsanlage der Ukraine antreiben.

Laut einem Agrarbericht der Europäischen Kommission für 2019 war die Ukraine im vergangenen Jahr nach China die zweitwichtigste Quelle der EU für die Einfuhr organischer Lebensmittel. Die Ukraine lieferte 10% der 3,2 Mio. Tonnen Bio-Importe der EU, verglichen mit 13% der Importe Chinas. Durch den Verkauf von Weizen, Ölsaaten, Sojabohnen, Frischobst und Säften steigerte die Ukraine ihre Bio-Exporte in die EU um 27%. Die gesamten Lebensmittelausfuhren der Ukraine in die EU stiegen im vergangenen Jahr um 21%.

Als Türöffner für mehr ukrainische Lebensmittelexporte nach China berichtet Bloomberg, dass es „keine Chance“ gibt, dass China sein Versprechen einhält, in diesem Jahr amerikanische Lebensmittel im Wert von 36,5 Mrd. Dollar zu kaufen. USDA prognostiziert, dass die Lebensmittelverkäufe der USA an China im September einen Wert von 8 Mrd. Dollar erreichen werden. Das Washingtoner Peterson Institute berechnet, dass die US-Exporte von Agrarprodukten nach China 38% des im Februar im Handelsabkommen festgelegten Tempos erreichen werden. Im vergangenen Jahr wurde China zum größten Handelspartner der Ukraine, teilweise aufgrund der ukrainischen Lebensmittelverkäufe an China.

Mäuse sind schuld daran, dass 150.000 Tonnen Getreide in der ukrainischen Staatsreserve fehlen, scherzt Mykhailo Apostol, ein Berater des ukrainischen Innenministers. Mäuse, die „Namen und Berufsbezeichnungen haben und in Übereinstimmung mit dem Gesetz zur Rechenschaft gezogen werden müssen“, stellt er in einer BBC-Geschichte klar. Der Unternehmer Roman Grabezhov rechnet aus, dass es fast eine Milliarde Mäuse“ bräuchte, um so viel Getreide zu fressen. Die erste Phase einer nationalen Prüfung – eine Überprüfung der Lagerhäuser in fünf der 24 ukrainischen Oblaste – ergab, dass in einem Lager 18.000 Tonnen, in einem anderen 20.000 Tonnen und in einem dritten 112.000 Tonnen fehlten. Nach Berechnungen der BBC handelt es sich dabei um fehlendes Getreide im Wert von 30 Mio. Dollar.

Telekommunikation und IT:

Die Raiffeisen Bank International hat ihr digitales Bankgeschäft von Wien nach Kiew verlegt und arbeitet nun mit Edenlab zusammen, einer Boutique für Fintech-Software und Produktentwicklung mit rund 70 Mitarbeitern. Die Einheit der österreichischen Bank bei Edenlab wird „eine 100%ige RBI-Tochter“ sein, so ein Banksprecher gegenüber der Wiener Nachrichtenseite Der Standard. Unter Hinweis darauf, dass die Bank Tochtergesellschaften in 15 osteuropäischen Ländern hat, spekuliert Der Standard, dass sich die Bank für die Ukraine entschieden hat, weil Andriy Stepanenko, für das Privatkundengeschäft zuständige Vorstandsmitglied der RBI, aus der Ukraine stammt.

Arbeitsmarkt:

Ukrainische Arbeiter und Studenten warten sieben bis neun Stunden, um den einzigen Fußgängerübergang nach Polen zu überqueren. Radio Free Europe berichtet von diesem Übergang an der Medyka-Kreuzung, 80 km westlich Lviv. Da täglich bis zu 3.000 Menschen zu Fuß über die Grenze gehen, sagen viele, dass sie aufgrund ders Coronavirus-Lockdowns ihren Arbeitsplatz verloren haben. Immer mehr Menschen kommen aus der Zentral- und Ostukraine, berichtet RFE.

Sonstiges:

Kiew ist in der weltweiten Rangliste der Lebenshaltungskosten von Expatriates um 44 Plätze gestiegen. Im Mercer-Index liegt die Hauptstadt der Ukraine nun auf Platz 106, gegenüber Platz 150 im letzten Jahr. Der Aufstieg Kiews in der Liste der 209 Städte scheint weitgehend auf das Erstarken des Hryvnia in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres zurückzuführen zu sein.

Aivaras Abromavicius, Generaldirektor von Ukroboronprom, hat Alexander Donets, den Präsidenten von Antonov, entlassen. An seiner Stelle soll Alexander Losya, Vizepräsident für Design, als Interims-Chef fungieren. Luftfahrtanalysten sagen, dass die beste Strategie für die Antonov in den 2020er Jahren darin besteht, sich auf die Herstellung von Frachtflugzeugen und Regionaljets zu konzentrieren.

Im Zuge eines Einstellungswandels, der sich auf Büroimmobilien, Einkaufs- und Pendlerverhalten auswirken könnte, würden 37% der Befragten, die an einer Umfrage teilnahmen, nach Aufhebung der Quarantäne gerne von zu Hause aus weiterarbeiten. In der grc.ua-Umfrage wünschen sich 48% der Teilnehmer die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, bis die Coronavirus-Situation vollständig unter Kontrolle ist, und 38% sagen, dass die Unternehmen Transportmittel bereitstellen sollten, damit die Arbeitnehmer nicht mit überfüllten Kleinbussen oder der Metro fahren.

Fast die Hälfte der Ukrainer ist der Meinung, dass sich ihr Land entwickelt – und die andere Hälfte glaubt, dass es stagniert, wie eine Umfrage des Internationalen Instituts für Soziologie in Kiew ergab. „Siebenundvierzig Prozent der Befragten glauben, dass sich die Ukraine langsam entwickelt und zu einem entwickelten Land wird„, sagte Anton Hrushetsky, stellvertretender Direktor des Instituts, gegenüber Reportern. „Gleichzeitig wählten 46% die gegenteilige Ansicht, dass die Ukraine stagniert und das Leben immer unerträglicher wird.“ In einer Telefonumfrage unter 1.500 Personen, die in der letzten Aprilwoche, auf dem Höhepunkt der Abriegelung, durchgeführt wurde, sagten 49%, dass die oberste Priorität der Nation die Entwicklung der Wirtschaft sei, während 30% sagten, dass die oberste Priorität darin bestehe, den Krieg zu gewinnen.

Mit Blick auf die Zukunft sagen 46% der befragten Erwachsenen, dass die Ukraine der EU beitreten sollte, und 42% sagen, dass die Ukraine der NATO beitreten sollte. Im Gegensatz dazu sind 13% der Befragten der Meinung, dass die Ukraine der von Moskau geführten Eurasischen Wirtschaftsunion beitreten sollte, und 12% der Befragten sind der Meinung, dass die Ukraine der Moskauer Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit beitreten sollte. Wenn ihnen ein ausländischer Reisepass angeboten würde, würden 11% der Befragten sagen, dass sie in die USA oder die EU ziehen würden. Nur 6% sagten, sie würden nach Russland ziehen. Böten sie einen hypothetischen Umzugsbonus von 100.000 Dollar an, so stiege der Anteil derer, die einem Umzug nach Russland zustimmten, auf 11%.

Die wöchentliche deutsche Version der Ukraine Business News wird in Zusammenarbeit mit unserem Partner Henniger Winkelmann Consulting erstellt. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.hwc.com.ua.

The weekly German version of Ukraine Business News is produced in cooperation with our partner Henniger Winkelmann Consulting. For further information, please visit www.hwc.com.ua.